Schottland 2006

Schottland-Tagebuch 01/10

30.09.2006
Nach noch nicht mal einem halben Jahr sind wir nun also wieder auf der Insel. Für heute nacht in einem netten B&B, dem „Eglinton Guest House“ in Ayr. Auf unseren Mietwagen, eine fahrende Schuhkiste (Fiat Panda), mussten wir mehr als eine Stunde in der Schlange warten, weil wir uns, wie die meisten, für ein mit Ryanair gekoppeltes Hertz-Angebot entschieden hatten; Avis nebenan war dagegen gähnend leer, und hätte nur wenige Euro mehr gekostet, nächstes mal sind wir schlauer.
Jedenfalls wurde es dann fast 22 Uhr, bis wir vom Flughafen wegkamen, und nach kurzem Telefonat hatte dann das oben genannte, im Lonely Planet gelistete B&B noch ein Plätzchen für uns.
Am schönsten ist: alles ist vertraut. Hat ja mit dem Schlangestehen schon angefangen, dann das links fahren, was ich überhaupt gar nicht komisch finde, und eigentlich direkt völlig normal war, dazu die sehr kurze aber überaus nette Begegnung mit dem Mann im Fish - and - Chips - Takeaway (klar, Essigfritten mussten einfach sein). Sogar die Katzen sind irgendwie entspannter: als Jörg das Auto aufmachte, hüpfte ein kleiner grauer Tiger mit Glöckchenhalsband hinein. Vermutlich Flucht vor dem Nieselregen. Es nieselt nämlich schon den ganzen Abend. Aber hey – das hier ist Schottland. Immerhin eine der künftigen Wahlheimat-Optionen. Und morgen: Mehr davon!

Schottland-Tagebuch 02/10

01.10.2006
Was für ein langer Tag!
Heute morgen hab ich’s erst mal geschafft, meinem Schatz einen kleinen Geburtstagskuchen mit Kerzchen zu organisieren. Der zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig war, eine Art Fruchtkuchen mit zentimeterdickem zäh-süssem Zuckerguss. Immerhin konnte er eine Kerze auspusten, das ist ja schließlich die Hauptsache.
Um 10 Uhr sind wir dann aufgebrochen in unserer shoe-box. Und zwar durch den Süden, nach Melrose. Allein die Fahrt war so schön, dass wir erst um 15 Uhr dort ankamen.
Das beste am Mietwagen ist ja die Mobilität, und abseits der großen Straßen kann man auf den holprigen single track roads eben viel mehr Landschaft erleben. Dafür gurkt man dann aber auch mitten im Nirgendwo rum, und kann nur hoffen, dass kein Gegenverkehr kommt.
Nach Fotostops, unter anderem beim „Neidpath Castle“, kamen wir also in Melrose an, und bestaunten die Abtei-Ruine. Die ist schon schön anzusehen, gotisch, aus rotem Sandstein. Die charakteristischen Fensterbögen gut erhalten, verwitterte Grabsteine rings herum. Verzierungen in Form von zig Engels- und Menschenfiguren, dazu Gargoyles in allen möglichen Formen (das kleine Skelett fand ich hochinteressant), und, das Highlight: ein Dudelsack spielendes Schwein, auf der rechten Seite am Dach. Müssen lustige Mönche gewesen sein.
Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, ein bisschen Nieselregen zwar, aber fantastische Lichtspiele. Und viele Regenbögen!

Beim nächsten Stop, dem Smailholm Tower bei Kelso, war das Licht noch viel grandioser, die Sonne stand tief und brach als Lichtfront durch die tiefhängenden, grauen Wolken genau auf zwei spitze Hügel. Auf der anderen Seite noch strahlend blauer Himmel mit puscheligen Wolken. Und dann, nach erneutem Geniesel, wieder ein intensiver Regenbogen. Dass der Tower selbst da schon geschlossen hatte, störte uns inmitten dieses Lichtspektakels eher wenig.

Mit einsetzender Dämmerung brachen wir auf, um in Küstennähe ein B&B zu suchen. Mir tat (und tut noch) mein rechtes Bein tierisch weh, weil der Sitzwinkel in dem kleinen Auto einfach unmöglich ist für große Menschen.
Das mit dem B&B wurde dann auch schwierig, am Ende landeten wir im stockdunkeln nach einer irrwitzigen Fahrt über eine extra kleine single track road (mit Überquerung eines überfluteten Stücks und mehreren Ausweichmanövern wegen Hasen und einem Hund) erschöpft in Dunbar, in einem zwar schicken, aber natürlich auch recht teuren Hotel. Mit B&B is’ hier nicht viel.
Der besuch beim Chinamann: ernüchternd. Zwar gemütlich, aber optisch mehr Pub als Restaurant, Reis kostet extra, scharfe Sauce gibt’s nicht. Chinesinnen klingen auf Englisch genauso singsangmäßig wie auf Deutsch. Aber lecker wars schon! Gottseidank. Der gute Vorsatz für morgen: frühzeitig um einen Schlafplatz bemühen ...

Schottland-Tagebuch 03/10

02.10.06
Heute morgen war die (mittlerweile durch Dan Brown’s „Da Vinci Code“ berühmte) Rosslyn Chapel unsere erste Station. Der Eintritt, stolze sieben Pfund, zeugt von der neu erworbenen Berühmtheit. Es hat sich allerdings durchaus gelohnt: die komplett aus Sandstein errichtete Kapelle ist übersät von Reliefs und Figuren, wirklich übersät. Jede dieser Verzierungen ist unglaublich detailgenau ausgearbeitet und die Blumen finden sich konsequent umgesetzt bis auf die Turmspitzen. Die befinden sich übrigens unter einem großen Blechdach, welches als eine Art Regenschirm fungiert. Nämlich deswegen, weil in den 50er Jahren die Kapelle bei Renovierungsarbeiten konserviert, also der Stein versiegelt wurde, wobei man aber vergessen hat, dass der Sandstein atmen muss, er also natürlicherweise Wasser absorbiert und wieder abgibt. Diese mobile Dachkonstruktion wird in den nächsten 5-6 Jahren wieder entfernt werden, da die Kapelle bis dahin ihre durch die Versiegelung gespeicherte Feuchtigkeit wieder ausgedunstet hat.
Errichtet wurde Rosslyn Chapel von William St. Clair, dem letzten Prinz von Orkney, im Jahre 1446. Die Vollendung konnte der allerdings nicht mehr erleben, obwohl er das damals völlig undenkbare stolze Alter von 90 Jahren erreichte. Seine Nachfahren hatten kein Interesse am Weiterbau, daher sind die Kreuzmauern bis heute ohne den geplanten Anbau geblieben. Was den Hype um die Kapelle angeht: es gibt tatsächlich Parallelen zu den Templern, die sich in den Reliefs zeigen; einer ist dort sogar begraben. Die Verbindung rührt wohl aus einer Ehe in der St. Clair – Familie her. Außerdem finden sich zahlreiche „Green Men“ in der Kapelle, die schönsten in einem Blätterband, das vom Eingang einmal rumführt; die darin eingebetteten Gesichter dieser dem Paganismus zugehörigen Symbole für die Natur- und Lebenskraft werden immer älter, bis man am Ende in ein greises, etwas unheimliches Green Man – Gesicht blickt. Und die Sensation: Unter der Kapelle gibt es mehrere nicht erforschte Kammern. Bei einem Screening wurden sie zwar entdeckt, sie sind aber unzugänglich. Man müsste, um dort hinein zu gelangen, den Boden der Kapelle aufbohren, was aber nicht in Frage kommt, da man zum einen das Bauwerk nicht zerstören möchte, und zum anderen Angst vor einer totalen Enttäuschung hat – nämlich dann, wenn da unten einfach nichts ist.

Für uns war es jedenfalls ein rundum gelungener Ausflug!
Nach einem kurzen, leider uninteressanten Abstecher zu Rosslyn Castle haben wir in Edinburgh einen kurzen Stop eingelegt, um uns Übernachtungs-Broschüren der einzelnen Regionen zu besorgen. Mit dem Auto nach Edinburgh reinzufahren hab ich übrigens als recht stressig empfunden und würde es nicht unbedingt noch mal machen ...
Wir fuhren weiter nach Dollar, zum Castle Campbell, das auch als „Castle Gloom“ bekannt ist, wegen seiner im Wald eingebetteten Hanglage. Im wieder mal einsetzenden Nieselregen konnten wir einige stimmungsvolle Bilder machen, und sind dann weitergefahren in das nett klingende Örtchen Bridge of Allan, wo wir soeben auch ein urgemütliches B&B bezogen haben.

Schottland-Tagebuch 04/10

03.10.06
Tja, die ursprünglich geplante Strecke haben trotz sehr frühen Aufbruchs nicht geschafft. Schön wars aber natürlich trotzdem! Los ging’s zum Loch Lochmond, die ganze Zeit Runrig’s wunderschöne Lied im Kopf. Runrig nannte man früher übrigens den immerwährenden Wechsel der Landflächen, die die Farmer zur Bearbeitung zugeteilt bekamen. So wurde eine gewisse Gerechtigkeit gewährleistet, und jeder hatte mal ein schlechteres Stück Land. Das war noch in Zeiten, bevor die Schafzucht der Clan-Führer die Farmer aus den Highlands vertrieb.
Jedenfalls genossen wir wunderbare Ausblicke auf das Loch Lomond, mit natürlich vielen Fotostops und ein bisschen am Seeufer rumwandern.

Über Tarbet ging’s nach Inveraray, einem kleinen touristischen Örtchen an der Küste, wo wir in einem Pub, in dem (mal wieder) die Zeit scheinbar stehen geblieben ist, einen Kaffee tranken, um bald wieder aufzubrechen. Die Fahrt führte uns durch das unglaublich schöne, raue Glen Coe mit seinen wuchtigen Bergen. Unser B&B liegt etwas außerhalb von Glencoe Village und ist wie immer sehr gemütlich.
Der Tage heut, der war fast ein reiner Fototag. Sogar Kilchurn Castle haben wir auf der Fahrt an Loch Awe vorbei gut ablichten können (eingematschte Schuhe und Hosen inklusive).
Tolle Landschaft, tolles Licht, tolles Wetter! Und morgen: Ab in die Highlands!

Schottland-Tagebuch 05/10

04.10.06
Schon schön, wieder an Orte zu kommen, an denen man schon mal war! 230km haben wir heute zurückgelegt. Der Morgen begann mit wie immer reichlichem leckeren Frühstück und einer weniger tollen, weil veralteten, wasserdrucklosen und zu heißen (wahlweise zu kalten) Dusche. Schon faszinierend, dass kaum jemand in Großbritannien eine normale Dusche mit einer normalen Mischbatterie besitzt. Stattdessen ein elektrischer Durchlauferhitzer, ein totaler Stromfresser, der homöopathische Wassermengen abgibt und nur schwer auf eine angenehme Temperatur einzustellen ist. Einfach völlig ineffizient was die Wirtschaftlichkeit und den Körperreinigungseffekt angeht ... Man fragt sich, woran’s liegt?! Ich mein, ich mag ja die britische Verschrobenheit, das „Hinter-der-Zeit-Herhinken“. Ich mag knarzig-gemütliche Pubs, ich mag mit Teppich zugepappte Wohnräume, ich mag sogar die Türen, die entweder einen wackeligen runden Knauf haben, mit Schloss in der Mitte, der etwas zu tief sitzt, als dass man ihn bequem drehen könnte, oder eine Türklinge aus Messing (oder etwas ähnlichem), die viel zu klein und zierlich ist, und dazu so schräg hängt, dass man den Arm in einem unmöglichen Winkel drehen muss, um die Tür dann auch zu öffnen. Ich mag dreipolige Steckdosen, warum, weiß ich nicht, aber ich mag sie. Und ich mag natürlich baked beans zum Frühstück. Ich mag sogar linksrum fahren. Bedenkt man, dass bei 90% der Menschen die rechte Seite die „starke“ Seite ist, die Schokoladenseite, ist es doch ok, dass das Lenkrad im Auto rechts ist, und man eben rechts sitzend das Auto steuert. Man hätte natürlich trotzdem auf der rechten Seite fahren können, aber was solls. Jedenfalls empfinde ich es als angenehmer, im Uhrzeigersinn durch einen Kreisverkehr zu fahren, als dagegen.
Wie auch immer, an bestimmte Sachen kann ich mich aber einfach nicht gewöhnen, bzw. könnte ich mich für ein ganzes Leben dort nicht mit anfreunden: die Duschen stehen da ganz weit oben auf der Liste. Gefolgt von den Klospülungen, die nur dann funktionieren, wenn man sie mit einem ganz bestimmten Schwung bis zum Anschlag drückt. Dann das Phänomen, dass man ab 21 Uhr in keinem Pub oder Restaurant mehr irgend etwas zu essen bekommt, auch nicht an Freitagen oder Samstagen. Im Gegenteil, ganz komisch wird man da angeguckt. Aber dafür haben dann die großen Supermärkte, Tesco, Morrison, Somerfield 24/7 geöffnet. Und die kleinen Sparmärkte in den Käffern halten zumindest den Sonntag Nachmittag noch mit im Öffnungszeiten-Wahnsinn.
Viel lebenswerter ist es hier allerdings aufgrund der Höflichkeit und Freundlichkeit der Menschen. Da könnten wir uns als Land echt was von abgucken. Auch zum Beispiel im Straßenverkehr. Während uns am Ende einer beschissenen BAB-Baustelle ein „Vielen Dank für ihr Verständnis“, welches natürlich stillschweigend vorausgesetzt wurde, erwartet, steht in Großbritannien immer ein nettes und sehr positives „We are sorry for any delay“. Einfach viel besser. Andererseits schlechter sind dafür die Straßen im Allgemeinen. Es ist zwar erstaunlich, in welche abgelegenen Winkeln dieses Landes noch asphaltierte Straßen führen, aber der Asphalt ist so grob, dass das Fahren klingt, als säße man im Flugzeug. Außerdem holpert und eiert es ohne Ende – dass vor dem Asphaltieren der Boden eingeebnet werden könnte/sollte, dass ist einem hier fremd. Die Straßenmarkierungen hingegen, die sind wieder überdurchschnittlich gut, mit Leuchtreflektoren auf dem Mittelstreifen und Seitenmarkierungen in rot oder weiß, die Kurve auf der eigenen Seite ist rot markiert, die der Gegenfahrbahn weiß. Ist aber auch bei den kleinen Highlandstrassen unbedingt notwendig ...

Womit ich auch endlich wieder den Bogen zum Thema geschlagen hätte: Heute sind wir durch absolut einsame Gegenden gefahren, eben durch die Highlands, und es war phänomenal! Zunächst einen kurzen Schlenker nach Portnacroish für das Castle Stalker – Monty Python Fans kennen es aus „Der Ritter der Kokosnuss“. Die Suche nach einer geeigneten Fotostelle hat mich dann dank einer morastigen Wiese eine meiner Jeans gekostet, ich glaub die wird nie wieder sauber. Und dann wars das noch nichtmal wert, fand ich. Es ist halt ein sehr kleines Gebäude, ein rechteckiger Turm, eigentlich echt unspektakulär.
Von dort sind wir über Fort William zur Nevis Range gefahren, einer Gondelstation, die einen auf ein paar hundert Meter Höhe bugsiert, direkt über der berühmten Mountainbike-Downhill-Strecke, wo auch die Weltmeisterschaften stattfinden.
War schön, genau die zwei Spaziergänge habe ich vor zwei Jahren schon mal gemacht, und wie letztes mal konnte man die Wolken fast anfassen, und der Blick von oben auf die Highlands und die Lochs war phantastisch. Vom Wind durchgepustet führte uns unser Weg anschließend weiter gen Norden, auf einer wieder einmal enorm schönen Strecke mit vielen Panoramen. Jörg bezeichnete es passenderweise als „Spielplatz für die Augen“. Mit einsetzender Abenddämmerung standen wir dann mit unseren auf Stative geschraubten Kameras zusammen mit ungefähr 20 anderen Leuten auf dem Parkplatz des Eilean Donan Castle in Dornie nahe Kyle of Lochalsh. Unser Vorteil den anderen gegenüber war, dass wir uns auch ab und an mal von der Stelle bewegt haben, um von einem anderen Blickwinkel aus zu fotografieren. Und das hat sich gelohnt. Der Sonnenuntergang über dem See war eh schon spannend – riesige Wolkentürme und –schichten ließen nur ab und zu ein Stück rote Glut durchschimmern, und dann noch das schön beleuchtete Schloss dabei, das sah einfach toll aus! Nachdem wir uns anschließend ein B&B gesucht hatten, rundeten wir den Abend in Kyle in einem Hotelrestaurant mit einem leckeren Essen ab. Nur die Kominbation von Pasta und Fritten (wahlweise Kartoffeln) ließ einen noch erkennen, dass man irgendwo auf der Insel war. Ach ja, und der Flauscheteppich ...

Schottland-Tagebuch 06/10

05.10.06
Heut morgen fuhren wir erneut zum Eilean Donan, um eine paar Tageslichtfotos zu schießen. Das Wasser stand etwas niedriger, und der Grund bot einen interessanten Kontrast, so dass sich der Ausflug durchaus gelohnt hat.
Von dort wählten wir dann den Pass Beach na ba nach Torridon; diese Passtrasse, die sich über die Berge schlängelt, bietet wunderbare Panoramen, unter anderem Ausblicke auf Skye, die nur wenige Kilometer entfernt liegt. Spektakuläre Kurven und An- und Abstiege wechselten sich ab, Fahrspaß pur! Von Torridon gings weiter an der Westküste entlang nach Ullapool. Auch hier die Fahrt ein ständiges auf und ab, und interessanterweise wechselten sich kilometerlange schnurgerade Strecken mit enorm kurvigen Abschnitten. Die Landschaft: rau, schroff, eigentlich feindselig, aber enorm schön. Fotos waren aufgrund des starken Geniesels leider nicht möglich – die Objektive waren sofort vollgetropft. Es ist sowieso irgendwie anmaßend, diese grandiose Landschaft auf wenigen Quadratzentimetern Papier festhalten zu wollen ... Am Ende kommt vermutlich die große Enttäuschung, da das echte Auge einfach mehr gesehen hat als das mechanische ...

Schottland Tagebuch 07/10

06.10.06
Schade, von Ullapool hatten wir heute nichts mehr, das hübsche Örtchen versank im Regen und Nebel. Es war sogar so verregnet, dass wir ursprünglich vorhatten, die Nordschleife auszulassen, und direkt Richtung Aberdeen fahren wollten. Doch gottseidank klarte es am märchenhaft gelegenen Ardvreck Castle am Loch Assynt wieder auf. Erst sah man die Ruine nur von weitem im Nebel, bis dann die Sonne durchbrach und es blauer wurde ... eine glatt gefegte Seeoberfläche lieferte ein glasklares Spiegelbild ... Toll! Nur die paar tausend Mücken, von denen einige sogar mit auf den Fotos sind, im Flug, die haben etwas genervt.
Den nächsten Stop legten wir im beschaulichen Küstenörtchen Durness ein, wo wir ein kleines Picknick an einem Traumstrand machten. Der Sand war rotweiß gemustert, das Wasser glasklar ... Klar mussten wir mit den Füßen rein! Brrrr!
Weiter ging’s wieder über entweder kurvige kleine oder schnurgerade breite Straßen durch absolut gigantische Landschaft – stimmungsmäßige Parallelen zu den Werken von Sahm deutlich erkennbar -, die teilweise richtig urzeitlich aussah, einmal passierten wir eine Straße oberhalb eines Tals, das von fast geraden Felswänden eingeschlossen war, einfach toll.
Wir hielten wieder oft, um das Gesehene irgendwie festzuhalten. Auch einige obligatorische Ruinen-Fotos haben wir gemacht. Dann wurde das Land wieder flacher, bis wir dann durch flache, sattgrüne Landschaften hier in Dunnet ankamen. Unser Hotel, das Northern Sands, riecht stark nach Torf, ist aber sehr gemütlich. Hat einen etwas verblichenen Charme. Jörg findet’s stellenweise zammelig, ich find es hat Charakter! Die Zimmer sind schön groß, wenn auch mit schiefem Boden, und eigentlich sogar geschmackvoll eingerichtet, wenn man die jeweiligen Möbel und Dekoration als Einzelstücke betrachtet. Im Zusammenklang passen die schweren dunkelroten Vorhänge schön zu der eleganten und wirklich stilvoll gemusterten rotblumigen Tapete, dummerweise aber nicht zu dem verblichen grünen Teppich und der augenfeindlichen grünblumigen Bettwäsche ...
Nach einem absolut leckeren Essen im hoteleigenen Restaurant (welches sogar in anderen Ecken Europas als Restaurant durchgegangen wäre), sind wir im Vollmondschein noch zum Dunnet Head gefahren, Großbritanniens nördlichstem Festland-Zipfel. Amüsiert stellten wir fest, dass der Leuchtturm genau in die nur weniger hundert Meter entfernten Häuser leuchtete. Die Blende für die Lampe war hingegen irgendwie verrutscht. Vielleicht wollte man lieber die Menschen als die Schafe mit dem Gefunzel ärgern.
Im kurz darauf einsetzenden Nieselregen sind war dann zurück ins Hotel gefahren. Schade, dass wir nur noch drei Tage haben!

Schottland Tagebuch 08/10

07.10.06
Ein unglaublicher Wind blies uns den ganzen Morgen an der Küste um die Nasen und türmte das Meer zu gewaltigen Wellen auf. Am Dunnet Head, den wir natürlich im Hellen noch mal besuchen mussten, war der Wind so stark, dass ich mich komplett reinfallen lassen konnte! Das hab ich noch nie erlebt! Ein echtes Highlight!
Nach einem kurzen Schlenker über den im Lonely Planet (zurecht) verissenen Ort John o’Groats ging es Richtung Osten. In der Gegend um Lybster hielten wir mehrfach für diverse „prehistoric sites“, darunter den „Hill o’ many stanes“, ein fächerförmig angeordneter Steinkreis, von dem keiner was genaues weiß, sowie den „Grey Cairns of Camster“, restaurierten Grabkammern, die sogar zugänglich sind – wenn man auf allen vieren durch einen etwa drei Meter langen, 60cm niedrigen und schmalen Gang bis zur Hauptkammer kriecht. Wenn man das macht, lohnt es sich aber durchaus! Man kann schön die Struktur erkennen, nämlich fünf „standing Stones“, zwei große am Eingang, zwei kleine Formen dazu gegenüber ein Viereck, und ein weiterer großer als Stütze noch mal ein Stückchen dahinter. Düster ist’s, und ich glaub, wenn das noch originalbelassene Stätten gewesen wären, wär ich da nicht reingekrabbelt! Ein weiterer Abstecher zu den Achavanish Standing Stones lohnte überhaupt nicht, da die direkt an einer Straße lagen und auch keine gezielte Anordnung mehr erkennbar war. Und das Ruinendorf Bad Bea erwies sich an sich auch als völlig unspektakulär, wobei es schon interessant ist, dass man dort auf den Klippen tatsächlich ein Dorf gegründet hat!
Die Fahrt ging weiter in stetem auf und ab, und diverse Warnschilder („keep in low gear“ und „try your brakes“) führten zu besorgten Gedanken über die Verkehrstauglichkeit britischer Fahrzeuge. Nach einer kurzen Kaffee- und Süßkram (sticky chocolate pudding, mjam – kein Pudding, sondern ofengebackener sauleckerer Pamps) – Pause ging es dann weiter bis ans Tagesziel Elgin. Ein recht großer, nicht besonders schöner Ort – aber die Kathedrale wollen wir uns unbedingt noch angucken!
UND wir waren tatsächliche beide das erste mal in unserem Leben indisch essen. Und das Restaurant – Al Bahar – hat echt alles getoppt. Absolut stilvoll eingerichtet, toller Service, wahnsinnig leckeres Essen. Nur der bunte Teppich erinnerte wieder an den britischen Standort. Wenn die Briten die Weltherrschaft hätten, würde vermutlich irgendwann eine allgemeine Teppichpflicht für öffentliche Gebäude eingeführt. Faszinierend.

Schottland Tagebuch 09/10

08.10.06
Also die Kathedrale hat sich ja total gelohnt! Eine wunderschöne Ruine! Zerstört wurde dieses einst imposante Bauwerk von einem gewissen Alexander Stewart. Warum habe ich den Infotafeln allerdings nicht entnehmen können. Das Chapter House ist noch vollständig erhalten, mit einer wunderschön gestalteten Decke, die passend angeleuchtet wird. Dort liegt eine Frau begraben, auf deren Grabstein ein regelrechtes Loblied über sie steht. Verziert wird das Grab von einem steinernen Banner, der von einem Engel gehalten wird. Ein Stück ist abgebrochen, und darunter kommt ein viel älterer Schriftzug zum Vorschein.
Wer weiß schon, welche Geheimnisse solche Kathedralen, bzw. die dort Begrabenen noch hüten? Interessant finde ich ja auch diese alten Grabverzierungen; sind es in Wales vornehmlich keltische Kreuze, auch auf den ganz alten und verwitterten Grabsteinen, findet man hier Totenschädel und Gebeine in den Stein gehauen, oft mit einer Sanduhr und einem groben Engelsgesicht. Absolut ursprünglich. Erstaunlich, dass die noch so gut erhalten sind.

Unsere Fahrt führte uns weiter über Aberdeen nach Stonehaven, einem beschaulichen Fischerort an der Ostküste. Wir parkten im Ort und machten uns auf den dreieinhalb Kilometer langen Weg (Trampelpfad) über die Klippen zum Dunnottar Castle. Die Ruine dieses mächtigen Schlosses ist auf und in die Klippen gebaut worden, eine taktisch kluge Lage, nur schwer zugänglich. Die Innenbesichtigung war uns allerdings keine vier Pfund wert, so dass wir stattdessen gemütlich zurück wanderten, die unzähligen Blau- und Grüntöne des Meeres und der Wiesen um uns genossen, und im Ort noch ein leckeres Eis aßen. Laut Tafel nach original italienischem Rezept, und bis auf das pappige Hörnchen auch echt lecker.
So verließen wir dann den Geburtsort des Erfinders des ersten pneumatischen Reifens (dessen Namen ich wieder vergessen habe), und fuhren durch’s Landesinnere nach Braemar in den Cairngorms. Unser B&B Gastwirt erklärte uns hilfsbereit den Weg zum „Devil’s Punchbowl“, einer interessanten runden, ausgehöhlten Felsformung in einem Fluss, wohin wir dann auch in der Dämmerung noch aufbrachen. Es wurde aber leider zu schnell zu dunkel, so dass wir die Schönheit der Landschaft nur noch erahnen konnten, und so machten wir uns auf den Rückweg. Prompt bekamen wir um kurz nach 20 Uhr weder was im Takeaway, noch in der Hotelbar, so dass als letzte Wahl eine Lodge übrig blieb. Das Essen dort war auch super, aber die Dekoration in Form von Hirschköpfen, toten Füchsen, Vögeln und Eichhörnchen (!!!!!!) hätte einem durchaus den Appetit verderben können. Das war sogar für mich mal ein Gipfel der Geschmacklosigkeit ...

Schottland Tagebuch 10/10

09.10.06
Kaum zu glauben, der Urlaub ist zuende ...
Schwupps sind wir schon wieder am Flughafen.
Wir sind heute morgen natürlich noch mal zum Punchbowl gefahren und haben auf dem glitschigen Untergrund einige Fotos gemacht. Wir hatten uns diesen Felsen zwar größer vorgestellt, aber interessant anzusehen ist er schon!
Ein kurzer Abstecher zum Linn of Dee, einem Wasserfall, der in eine sehr tiefe sehr schmale Schlucht rauscht, bevor der Fluss weniger Meter weiter wieder in einem ebenen und breiten Flussbett verläuft, bot malerischen Ausblick. Wenn auch der Gedenkstein eines Liebespaares, das dort vor zig Jahrzehnten (dem Stein nach zu urteilen Jahrhunderten ...) ums Leben gekommen ist, zur Vorsicht mahnt.
Für den Weg zurück wählten wir Routen abseits der Autobahnen, in der Hoffnung, noch ein bisschen schottische Szenerie genießen zu können. Außerdem wählten wir einen Abstecher nach Aberlemno, um die best erhaltensten Pictish Stones zu bewundern. Die waren aber prompt schon für den Winter in Boxen eingelagert. Kann man irgendwie auch kaum begreifen, da geht man hin, und karrt einfach wertvolle Überbleibsel der Vorfahren vom Feld ... Na dafür waren die Straßen ein Erlebnis, und neben hässlichen Industriegebieten gab es sogar noch einige schöne Landstriche, die wir durchfahren haben.
Tjo, und dann haben wir auch schon unseren kleinen Panda abgegeben, und anständig von ihm verabschiedet (ob der’s noch lange macht, bei meiner Fahrweise auf den Straßen...), und sitzen jetzt hier in der natürlich mit Teppich ausgelegten Abflughalle des Prestwick Airport. Beim Röntgen müssten wir sogar die Schuhe ausziehen, und die Rucksäcke wurden einmal auf Flüssigkeiten vorkontrolliert, und dann noch einmal nach dem Röntgen. Schon krass ...
Aber: besser zuviel Kontrolle, als zuwenig! Ein schöner Urlaub geht zu ende. Ein bisschen gehetzt war es, immerhin rund 2500km haben wir gerissen. Dafür haben wir aber auch eigentlich das ganze Land gesehen, so dass wir uns nächstes mal auf ein bis zwei Regionen beschränken können. Wir kommen ja bald wieder, ganz sicher!

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