04.10.06
Schon schön, wieder an Orte zu kommen, an denen man schon mal war! 230km haben wir heute zurückgelegt. Der Morgen begann mit wie immer reichlichem leckeren Frühstück und einer weniger tollen, weil veralteten, wasserdrucklosen und zu heißen (wahlweise zu kalten) Dusche. Schon faszinierend, dass kaum jemand in Großbritannien eine normale Dusche mit einer normalen Mischbatterie besitzt. Stattdessen ein elektrischer Durchlauferhitzer, ein totaler Stromfresser, der homöopathische Wassermengen abgibt und nur schwer auf eine angenehme Temperatur einzustellen ist. Einfach völlig ineffizient was die Wirtschaftlichkeit und den Körperreinigungseffekt angeht ... Man fragt sich, woran’s liegt?! Ich mein, ich mag ja die britische Verschrobenheit, das „Hinter-der-Zeit-Herhinken“. Ich mag knarzig-gemütliche Pubs, ich mag mit Teppich zugepappte Wohnräume, ich mag sogar die Türen, die entweder einen wackeligen runden Knauf haben, mit Schloss in der Mitte, der etwas zu tief sitzt, als dass man ihn bequem drehen könnte, oder eine Türklinge aus Messing (oder etwas ähnlichem), die viel zu klein und zierlich ist, und dazu so schräg hängt, dass man den Arm in einem unmöglichen Winkel drehen muss, um die Tür dann auch zu öffnen. Ich mag dreipolige Steckdosen, warum, weiß ich nicht, aber ich mag sie. Und ich mag natürlich baked beans zum Frühstück. Ich mag sogar linksrum fahren. Bedenkt man, dass bei 90% der Menschen die rechte Seite die „starke“ Seite ist, die Schokoladenseite, ist es doch ok, dass das Lenkrad im Auto rechts ist, und man eben rechts sitzend das Auto steuert. Man hätte natürlich trotzdem auf der rechten Seite fahren können, aber was solls. Jedenfalls empfinde ich es als angenehmer, im Uhrzeigersinn durch einen Kreisverkehr zu fahren, als dagegen.
Wie auch immer, an bestimmte Sachen kann ich mich aber einfach nicht gewöhnen, bzw. könnte ich mich für ein ganzes Leben dort nicht mit anfreunden: die Duschen stehen da ganz weit oben auf der Liste. Gefolgt von den Klospülungen, die nur dann funktionieren, wenn man sie mit einem ganz bestimmten Schwung bis zum Anschlag drückt. Dann das Phänomen, dass man ab 21 Uhr in keinem Pub oder Restaurant mehr irgend etwas zu essen bekommt, auch nicht an Freitagen oder Samstagen. Im Gegenteil, ganz komisch wird man da angeguckt. Aber dafür haben dann die großen Supermärkte, Tesco, Morrison, Somerfield 24/7 geöffnet. Und die kleinen Sparmärkte in den Käffern halten zumindest den Sonntag Nachmittag noch mit im Öffnungszeiten-Wahnsinn.
Viel lebenswerter ist es hier allerdings aufgrund der Höflichkeit und Freundlichkeit der Menschen. Da könnten wir uns als Land echt was von abgucken. Auch zum Beispiel im Straßenverkehr. Während uns am Ende einer beschissenen BAB-Baustelle ein „Vielen Dank für ihr Verständnis“, welches natürlich stillschweigend vorausgesetzt wurde, erwartet, steht in Großbritannien immer ein nettes und sehr positives „We are sorry for any delay“. Einfach viel besser. Andererseits schlechter sind dafür die Straßen im Allgemeinen. Es ist zwar erstaunlich, in welche abgelegenen Winkeln dieses Landes noch asphaltierte Straßen führen, aber der Asphalt ist so grob, dass das Fahren klingt, als säße man im Flugzeug. Außerdem holpert und eiert es ohne Ende – dass vor dem Asphaltieren der Boden eingeebnet werden könnte/sollte, dass ist einem hier fremd. Die Straßenmarkierungen hingegen, die sind wieder überdurchschnittlich gut, mit Leuchtreflektoren auf dem Mittelstreifen und Seitenmarkierungen in rot oder weiß, die Kurve auf der eigenen Seite ist rot markiert, die der Gegenfahrbahn weiß. Ist aber auch bei den kleinen Highlandstrassen unbedingt notwendig ...
Womit ich auch endlich wieder den Bogen zum Thema geschlagen hätte: Heute sind wir durch absolut einsame Gegenden gefahren, eben durch die Highlands, und es war phänomenal! Zunächst einen kurzen Schlenker nach Portnacroish für das Castle Stalker – Monty Python Fans kennen es aus „Der Ritter der Kokosnuss“. Die Suche nach einer geeigneten Fotostelle hat mich dann dank einer morastigen Wiese eine meiner Jeans gekostet, ich glaub die wird nie wieder sauber. Und dann wars das noch nichtmal wert, fand ich. Es ist halt ein sehr kleines Gebäude, ein rechteckiger Turm, eigentlich echt unspektakulär.
Von dort sind wir über Fort William zur Nevis Range gefahren, einer Gondelstation, die einen auf ein paar hundert Meter Höhe bugsiert, direkt über der berühmten Mountainbike-Downhill-Strecke, wo auch die Weltmeisterschaften stattfinden.
War schön, genau die zwei Spaziergänge habe ich vor zwei Jahren schon mal gemacht, und wie letztes mal konnte man die Wolken fast anfassen, und der Blick von oben auf die Highlands und die Lochs war phantastisch. Vom Wind durchgepustet führte uns unser Weg anschließend weiter gen Norden, auf einer wieder einmal enorm schönen Strecke mit vielen Panoramen. Jörg bezeichnete es passenderweise als „Spielplatz für die Augen“. Mit einsetzender Abenddämmerung standen wir dann mit unseren auf Stative geschraubten Kameras zusammen mit ungefähr 20 anderen Leuten auf dem Parkplatz des Eilean Donan Castle in Dornie nahe Kyle of Lochalsh. Unser Vorteil den anderen gegenüber war, dass wir uns auch ab und an mal von der Stelle bewegt haben, um von einem anderen Blickwinkel aus zu fotografieren. Und das hat sich gelohnt. Der Sonnenuntergang über dem See war eh schon spannend – riesige Wolkentürme und –schichten ließen nur ab und zu ein Stück rote Glut durchschimmern, und dann noch das schön beleuchtete Schloss dabei, das sah einfach toll aus! Nachdem wir uns anschließend ein B&B gesucht hatten, rundeten wir den Abend in Kyle in einem Hotelrestaurant mit einem leckeren Essen ab. Nur die Kominbation von Pasta und Fritten (wahlweise Kartoffeln) ließ einen noch erkennen, dass man irgendwo auf der Insel war. Ach ja, und der Flauscheteppich ...
Geschrieben in Schottland 2006 am 13. Oktober 2006, 22:43